Captain Beyond Biography

Captain Beyond die Geschichte einer einzigartigen Band...


Captain Beyond 1971/72; Promo Photo, von links nach rechts: Lee Dorman, Rod Evans, Rhino und Bobby Caldwell

Captain Beyond...

...hatte etwas Entscheidendes mit Iron Butterfly gemeinsam: die musikalische Vereinigung von Gegensätzen in Form von harter Rockmusik, kombiniert mit Jazz-Strukturen und extrem anspruchsvollen Texten. Dies wurde symbolisiert in dem Aufeinandertreffen von Feuer und Wasser in der Kugel des Captain, welche auf allen drei Alben zu sehen ist, dargestellt.
Lee Dorman erinnert sich: "Auf der Europa-Tour mit Yes 1971 streikte die Lufthansa, so mußten wir ein Flugzeug der Firma General Air chartern, um unseren nächsten Auftrittsort zu erreichen... jedenfalls entwickelte sich aus General Air ein Wortspiel - wir waren alle schon etwas angetrunken - und jemand sagte "Captain Beyond". Es klang gut und Rhino und ich merkten uns diesen Namen. Zur gleichen Zeit war Johnny Winter in Europa unterwegs, mit Bobby Caldwell am Schlagzeug, den Rhino bereits aus Florida kannte und dessen Stil uns sehr gut gefiel... schließlich flog Bobby im Juli 1971 zu uns nach Los Angeles und wir begannen zu komponieren. Rod Evans, der zu der Zeit untätig herumsaß, fanden wir zufällig. Wir schrieben das gesamte Material auf dem ersten Album zu viert, aus publishingstrategischen Gründen sind jedoch nur Rod und Bobby als Komponisten aufgeführt. Ich finanzierte die Band und besorgte den Deal mit Capricorn. Diese Band harmonierte perfekt - wir wollten alle in die Rock-Jazz Richtung gehen - und schließlich spielte ich mit Bobby die erste LP in nur zwei Tagen ein. Leider waren unser Label und Management eine Katastrophe: Capricorn wußte nicht viel mit uns anzufangen, zumal sie sonst nur Südstaatenbands hatten und wir zu verschieden waren...so bekamen wir kaum Airplay und spielten nur ca. 60 Gigs in zwei Jahren, der erste war in Montreux, Jazz Festival (18.9.71), der zweite im Pariser Olympia mit Ike & Tina Turner, der dritte im Londoner Roundhouse mit Rod Steward und noch ein weiterer auf einem Festival außerhalb Londons. Alle anderen Konzerte fanden in den Vereinigten Staaten statt, einige davon zusammen mit Trapeze in Texas und Oklahoma, wo wir besonders gut ankamen. Wir arbeiteten sehr hart an uns, probten und probten und nichts passierte. Schließlich stieg Bobby entnervt aus und wir suchten drei neue Musiker um unseren Sound zu diversifizieren und fanden schlie_lich den Schlagzeuger Marty Rodriguez, den Perkussionisten Guille Garcia und den Keyboarder Reese Wynans. Wir nahmen "Sufficiently Breathless" auf, spielten jedoch nur einen Gig in dieser Besetzung bis wir Bobby Caldwell wieder zurückholten".


Captain Beyond 1973; Promo Photo, von links nach rechts: Rhino, Lee Dorman, Reese Wynans, Rod Evans, Marty Rodriguez und Guille Garcia.

Reese Wynans erinnert sich: "Captain Beyond war eine musikalisch großartige Band, jedoch katastrophal organisiert...ich mußte Geld verdienen, war arm und lebte in einer Garage. So konnte ich nicht dasitzen und warten bis etwas passierte und stieg schließlich aus...". Reese tauchte in den Achtzigern in Stevie Ray Vaughan´s Band auf. Zwischendurch gab Rhino ein Gastspiel auf zwei Songs von Bobby Womack´s LP "Looking For A Love".


Captain Beyond 1973; ultrarares Photo, vielen Dank an die Rick Gagnon Archives!

Ende 1973 folgten noch einige Konzerte in Texas mit King Crimson (so am 6.10.73 in Arlington: eine großartige Performance, welche später auf einigen Raubpressungen auftauchte) und Wishbone Ash. Jedoch zermürbten zwei Jahre unzulänglichen Managements die Band und Rod Evans zog sich aus dem Musikgeschäft zurück, bis er sich 1980 von einem von einem halbseidenen Manager als Zugpferd vor eine Betrugsband mit dem Namen "Deep Purple" spannen ließ. Rod Evans geriet zwischen die Räder, wurde Jon Coletta und Tony Edwards verklagt (angeblich waren Richard Blackmore und Bruce Payne die treibenden Kräfte), und schließlich von den Gerichten zu einer Zahlung von fast 700.000 US$ wegen unbefugter Nutzung und Rufschädigung des Namens "Deep Purple" verpflichtet. Heute lebt Rod verarmt in den Außenbezirken von San Francisco.


Captain Beyond 1977 (von links nach rechts): Willy Daffern, Bobby Caldwell, Rhino und Lee Dorman.

Nachdem Captain Beyond in der Besetzung Rhino, Dorman, Caldwell und Sänger Jason Cahune 1976 eine Clubtour absolvierten, wurde ihnen ein weiterer Vertrag angeboten, diesmal von Warner, die Capricorn aufgekauft hatten. Jedoch trennte man sich von Cahune, der nicht den Wünschen der Band entsprechend mithalten konnte. Lee Dorman erinnert sich: "Rhino, Bobby und ich trafen uns und die einstige Magie war sofort wieder da. Über eine Anzeige fanden wir Willy Daffern, der ein exzellenter Sänger war. Leider tat Warner zu wenig für unsere einzige LP "Dawn Explosion" ...nach 15 - 20 Konzerten (u. a. im Night Gallery Club in Chicago am 26.5.1977) war es wieder vorbei". Daffern verließ die Band nach der Tour und ein Versuch diesen durch den Ex-Tucky Buzzard Frontman Jimmy Henderson zu ersetzen mißlang. So entschloß sich Rhino mit Jimmy seine eigene Band "Ryno" zu starten, welche als Vorgruppe von Stephen Stills 1978 durch die USA tourte, jedoch keine Veröffentlichung hinterließ. "Dawn Explosion" wurde innerhalb von vier Wochen im Studio Record Plant in Sausalito aufgenommen, im Februar und März 1977 und in einer Woche abgemischt. Der Titel dieser einzigen LP mit Daffern wurde einer bis heute unveröffentlichten und bereits 1972 live gespielten Eigenkomposition der Band mit dem Titel "Dawn Explosion" entnommen und sagt zugleich einiges über die Vermarktungsprobleme von "Captain Beyond" aus: Dawn Explosion, eine Explosion, die in der Zeitachse relativ spät - in der Abenddämmerung - geschieht und für konventionelle, ausschließlich am Markt orientierte, dynamische Investitionsrechnungsverfahren in der Regel zu spät kommt. Heutzutage ist Captain Beyond immer noch eine von Kennern und Musikern gleichermaßen sehr geschätzte Band, welche die Regeln der Zeit überwunden hat. Für die breite Käuferschicht blieb Captain Beyond jedoch "A Speck Within A Sphere". 1979 gab es einen kurzfristigen Versuch von Lee und Bobby Captain Beyond zu beleben, worauf eine Tour mit ca. 10 Konzerten folgte.
Willy Daffern spielte 1979 zusammen mit dem Bassisten Tim Bogart in der Band Pipedream, die sich nach einer mittelmäßigen LP-Veröffentlichung und einigen Konzerten in Großraum Los Angeles wieder auflöste. Lee Dorman und Rhino widmeten ihre musikalischen Aktivitdten weitgehend verschiedenen, meißt kurzfritige Besetzungen von Iron Butterfly. Eine Neuauflage von Captain Beyond ließ zwar sehr lange auf sich warten, jedoch war es endlich Ende 1998 soweit: Bobby und Rhino, beide in Florida lebend, taten sich zusammen um eine Tour und ein Album von Captain Beyond für 1999 vorzubereiten und fanden mit Jimi Interval (Gesang), Dan Frye (Keyb.) und Jeff Artabasy (bass) kompetente Mitstreiter.

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(c) Hartmut Kreckel 1997, 1998, 1999