Facharbeit im Leistungskurs Physik

Die Kirchenorgel physikalisch betrachtet

 
Gymnasium Vilshofen, Kolleg 97/99
Verfasser: Rudi Bürgermeister

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Ich habe diese Arbeit mit für mich möglichst geringem Aufwand ins Internet gestellt. Entschuldigt deshalb bitte, dass alles "in einem Schlauch" geschrieben ist und die Ladezeiten nicht gerade die besten sind.
Die komplette Arbeit kann auch als ZIP heruntergeladen werden.

Wer Fragen zum Thema Orgelbau hat kann sich gerne an mich wenden: rudi.b@vr-web.de

Über einen Eintrag in mein Gästebuch würde ich mich sehr freuen!
 

Also dann, viel Spaß noch beim lesen und vor allem noch viele schöne Stunden mit der Musik, insbesondere der Kirchenorgel!

Viele Grüße
Rudi :-)


Inhalt:


Die Kirchenorgel physikalisch betrachtet





Als Thema für meine Facharbeit habe ich die physikalische Betrachtung der Kirchenorgel gewählt. Ich bin selbst ein begeisterter Organist, durfte schon auf verschiedenen Orgeln der Umgebung spielen und bin immer wieder aufs Neue fasziniert von den beeindruckenden Instrumenten. Ein weiterer Grund ist auch die Tatsache, dass viele Menschen der Meinung sind, die Prospektpfeifen (sichtbare Pfeifen) wären das ganze Instrumentarium einer Orgel und der Rest sei nur Gehäuse. Auf den folgenden Seiten versuche ich nun Licht in das "Dunkel" des Kunsthandwerks Orgelbau zu bringen.
 

1. Mechanik


1. 1 Der Spieltisch

Grafik32 (Hauptspieltisch der Passauer Domorgel)

Zum besseren Verständnis stelle ich zunächst die einzelnen Bauteilgruppen und deren Bedeutung für den Organisten dar. Der erste Teil ist der Spieltisch, von dem aus der Organist alle Funktionen der Orgel steuern kann. In der Mitte befinden sich meist zwei Manuale (Klaviaturen). Je nach Orgelgröße können aber auch bis zu 5 oder 6 Manuale eingebaut sein. Um den Klangreichtum einer Orgel ausschöpfen zu können, spielt der Organist jedoch nicht nur mit den Händen, sondern auch mit seinen Füßen. Mit ihnen bedient er das Pedal. Auf den beiden Flächen neben den Manualen befinden sich die Registerschalter.

Unter einem Register versteht man eine komplette Pfeifenreihe vom tiefsten bis zum höchsten Ton mit einer bestimmten Klangfarbe und Tonhöhe. Um eine große Klangvielfalt in einer Orgel zu erreichen, ist es notwendig verschiedene Register einzubauen. Für einen einzelnen Ton gibt es folglich je nach Anzahl der Register mehr oder weniger viele Pfeifen unterschiedlicher Klangfarbe. Die Register können je nach Charakter des gespielten Musikstücks mit den besagten Registerschaltern verschieden zusammengestellt werden. Dabei ist zu beachten, dass jedem Manual nur bestimmte Register zugehören. Man kann also ein spezielles Register nicht auf jedem beliebigen Manual spielen. Hier wird auch deutlich warum in einer Orgel mehrere Manuale eingebaut sind: sie ermöglichen es dem Organisten einzelne Melodien hervorzuheben, indem er die Manuale unterschiedlich registriert, bzw. während eines Stückes die Gesamtlautstärke durch Manualwechsel verändert. Wie bereits erwähnt sind jedem Manual nur bestimmte Register zugeteilt. Es kann jedoch vorkommen, dass man zu den Registern z. B. des I. Manuals noch einige Register eines anderen Manuals benötigt. Dazu dienen die sog. Koppeln, die die gesamte Registrierung eines bestimmten Manuals einem anderen hinzufügen. Die Koppelschalter befinden sich bei der Passauer Domorgel links über dem Pedal.

Beispiel: auf Manual II:

auf Manual I:


Wird die Koppel II-I verwendet (II ist Quelle, I ist Ziel), so erklingen die Register des II. Manuals auf dem I. Manual mit (blau). Eine Koppel II-I verändert die Registratur des II. Manuals nicht.

es erklingt: auf Manual II:

auf Manual I:


Andere Koppeln sind z. B. Koppel I-Pedal oder Koppel III-I.
 

Grafik37 (Gelb: Registerschalter, weiß: Freikombination)

Eine weitere Registrierhilfe sind die sog. "Setzer" oder "Frei-Kombinationen". Dies sind bei der Passauer Domorgel computergesteuerte Speicherplätze, auf denen man vorbereitete Registrierungen abspeichern und während eines Musikstückes mit Fußtritten links über dem Pedal aufrufen kann. Bei zwei Manualen und einer Frei-Kombination können also vier verschiedene Klänge vorbereitet werden, die man ohne großen Aufwand aktivieren kann. Meist ist zu diesem Zweck eine zweite Schalterreihe über den Registerschaltern angebracht, die im "Normalbetrieb" den Orgelklang nicht beeinflusst. Der Organist hat hier wiederum die Möglichkeit, eine vor Spielbeginn vorbereitete Registrierung durch Knopfdruck abzurufen. Diese Variante benötigt also kein teueres Computersystem . Sie ist aber auch nicht so leistungsfähig, da man für jede vorbereitete Registrierung eine komplette Schalterreihe benötigt.
 

1. 2 Die Schleifenlade mit mechanischer Traktur

Grafik34
(Wellen und Abstrakten, oben befinden sich die Tonventile, unten der Spieltisch)

Grafik33
(Schleifenlade mit mechanischer Traktur)

Der oben beschriebene Spieltisch hat ohne Verbindung zum Pfeifenwerk wenig Sinn. Dieses Bindeglied ist die Traktur. Sie wurde früher und wird oft auch noch heute komplett mechanisch gebaut. Der Hauptbestandteil der Traktur sind die Wellen c und die Abstrakten b (s. auch nächste Seite), die den Zug von der Taste a bis zu den Tonventilen i übertragen (vgl. auch Foto). Den daran anschließenden Teil, auf dem sich die Pfeifen befinden, nennt man Windlade. Sie hat die Aufgabe den "Wind" (Druckluft) aus dem Blasebalg den vom Organisten gewünschten Pfeifen zuzuführen. Normalerweise gibt es pro Manual eine Windlade. Der Wind gelangt vom Blasebalg (hier nicht abgebildet) zuerst in die Windkammer g, wo sich auch die Tonventile i befinden. Wird eines dieser Ventile über die Wellen und Abstrakten durch Tastendruck geöffnet, so gelangt der Wind in eine der Tonkanzellen l. Auf einer Tonkanzelle befinden sich ausschließlich Pfeifen gleicher Tonhöhe, jedoch unterschiedlicher Klangfarbe bzw. unterschiedlicher Registe r. Durch die Schleifen p wird der Wind den gewünschten Pfeifen zugeführt. Bei den Schleifen handelt es sich um verschiebbare Lochleisten, die sich direkt unter den Pfeifenfüßen (unteres Ende einer Pfeife, an dem der Wind einströmt) befinden. Diese Lochleisten werden durch die Registerzüge q am Spieltisch über die Registertraktur r/s bewegt. Befinden sich die Löcher der Schleifen und der Pfeifenfüße übereinander, so kann der Wind in die Pfeife strömen, das Register ist also eingeschaltet. Beim Ausschalt en werden die Löcher gegeneinander verschoben, wodurch die Windzufuhr unterbrochen wird. Die Prospektpfeifen (sichtbare Pfeifen) werden, um den Bau einer neuen Windlade zu umgehen, über Luftrohre x mit der Windlade verbunden.

Grafik40Grafik41
(links: Windkammer innen mit Tonventilen; rechts: Pfeifen des II. Manuals Nammering)
 

1. 3 Die Koppeln

Grafik35(Koppelmechanismus eines Tones)

Die bereits erwähnten Koppeln zum Zusammenschalten von Manualen sind mechanisch etwas aufwendiger zu bauen. Ich beschreibe hier nur den Aufbau für eine zweimanualige Orgel mit Pedal. In einer solchen Orgel gibt es normalerweise die Koppeln II-I, I-Pedal und II-Pedal (die Bezeichnung vor dem Bindestrich gibt die Quelle, die danach das Ziel an; I-Pedal heißt also Register des I. Manuals auf dem Pedal hinzufügen; vgl. auch 1.1). In dieser Grafik sind alle Koppeln ausgeschaltet. In ausgeschaltetem Zustand bewegt eine Taste eines bestimmten Manuales nur die Traktur die zu diesem Manual gehört (gleichfarbig). Das Grundprinzip einer mechanischen Koppel besteht nun darin, das nicht nur die Traktur des jeweiligen Manuals bewegt wird, sondern auch gleichzeitig die eines anderen, wodurch auch die Register eines anderen Manuals miterklingen. Zuerst zur Koppel II-I: Der Drehpunkt a des Koppelarmes ist beweglich gelagert. Ist der Arm in der Ausgangsstellung (Grafik), so hat die Abstrakte b (Zugstange) zwischen Koppelarm II-I und einer Taste des I. Manuals keinen Kontakt. Wird der Drehpunkt durch Einschalten der Koppel gesenkt, so senkt sich auch das Plättchen c an der besagten Abstrakte auf die entsprechende Taste des I. Manuals, wodurch die Verbindung hergestell t ist. Wird nun eine Taste des I. Manuals gedrückt, so wird die Traktur des I. Manuals betätigt, aber gleichzeitig auch der Koppelapparat in Bewegung gesetzt, der nun seinerseits die senkrecht Hauptabstrakte des II. Manuals bewegt. Es erklingt somit das I . und das II. Manual gleichzeitig. Da aber das Plättchen d am Ende des Koppelapparates II-I nur an der senkrechten Abstrakte des II. Manuals befestigt ist, kann auf dem II. Manual gespielt werden, ohne dass dabei das I. Manual beeinflusst wird. Die Koppeln I-Pedal und II-Pedal funktionieren genau nach dem selben Prinzip.
 
 

Grafik36 (Elektromagneten der elektronischen Traktur)

Da dieser Koppelmechanismus und die gesamte Traktur sehr schwierig zu bauen sind (336 senkrechte Abstrakten und 224 Hebel nur für die Koppeln) werden heute meist elektronische Trakturen gebaut. Bei diesen wird durch die Taste ein Stromkreis geschlossen, wo durch Strom durch Elektromagneten an den Tonventilen fließt. Die Ventile werden also nicht mechanisch, sondern elektrisch geöffnet. Das Orgelspiel wird dadurch sehr leichtgängig. Ein Nachteil der elektronischen Traktur liegt allerdings darin, dass der Organist keinen Einfluss mehr auf die "Ansprache" der Pfeifen hat. In früherer Zeit, als es noch keinen elektrischen Strom gab, wurde unter anderem auch die pneumatische Traktur entwickelt. Bei dieser Technik werden die Ventile durch Druckluft geöffnet, die durch Leitungen vom Spieltisch kommt. Der Orgelwind wird also nicht nur als Spielwind, sondern auch als Arbeitswind verwendet. Wegen ihrer starken Reparaturanfälligkeit werden diese Trakturen heute kaum noch gebaut.

Viele Orgel verfügen über weitere interessante Bauteile, die aber nicht unbedingt zur Grundaustattung gehören. Solche sind z. B. Tremulant, Schweller, Walze oder Glockenspiele.
 

2. Akustik


 Die im ersten Teil erläuterten Bauteile sind allerdings nur "Mittel zum Zweck". Der auffälligste Teil der Orgel ist das Pfeifenwerk. Zur Überraschung vieler Laien befindet sich dieses hauptsächlich im Orgelinneren. Zum besseren Verständnis der Pfeifenfunktion zunächst einige musikalische und akustische Grundlagen:

Grafik6
       a)            b)

In einer Pfeife bildet sich eine "stehende Welle" (Entstehung siehe Pfeifen), die durch versch. Faktoren bedingt eine Frequenz der Wellenlänge l = c/f aufweist, wobei c für die Schallgeschwindigkeit steht. Bei der "stehenden Welle" in der Orgelpfeife handelt es sich um eine Longitudinalwelle, d. h. die Luftteilchen bewegen sich vom Erreger weg und wieder zu ihm hin (a). Zur Vereinfachung der Zeichnungen wird ab hier in dieser Facharbeit als Darstellung immer eine Transversalwelle (b) verwendet. Ein Schwingungsbauch steht hier für eine max. Schwingungsamplitude der Luftteilchen, ein Knoten für eine min. Amplitude.
 

2. 1. 1 Obertöne

Grafik18
       a)            b)            c)

In jeder Pfeife wird nicht nur der Grundton erzeugt, sonder auch sehr viele sog. Obertöne oder Teiltöne, die in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen. Da bei einer beidseitig offenen Pfeife an den zwei Enden immer ein Bauch, also ein Schwingungsmaximum sein muss, beträgt die Wellenlänge des Grundtones (1. Teilton) ca. das doppelte der Pfeifenlänge l (a): l1 = 0,5 * l. Beim 2. Teilton ist die Wellenlänge des nächsthöheren Obertons gleich der Länge der Pfeife (b), er hat also die doppelte Frequenz des Grundtones; l2 = l. Folglich hört man mit dem 2. Teilton die Oktave zum Grundton. Unter c) ist der 3. Teilton mit l3 = 1,5 * l dargestellt. Er hat die 3fache Frequenz des Grundtones. Das Intervall zwischen b) und c) ist demnach eine Quinte (b hat 2fache Grundttonfrequenz, c hat 3fache => Verhältnis 2 : 3). Das Intervall zwischen a) und c) ist eine Oktave und eine Quinte, eine sog. Duodecime. Unter Musikern werden die Oktaven allerdings meist nicht berücksichtigt, so wird bei c) nur von einer Quinte zum Grundton gesprochen (keine Quinte auf dem Grundton, dies wäre der Intervall ohne die Oktave!).

Die Frequenzen der Obertöne sind immer ein Vielfaches der Frequenz des Grundtones, da immer nur genau "eine halbe Welle hinzu kommen kann" um den Bauch an beiden Öffnungen zu erhalten.

Frequenzen weiterer Obertöne:
 
 

n-fache Grundfrequenz  Frequenzverhältnis zur darunterliegende Oktave  Ton  Intervall 
1 1 : 1  SK C  Oktave
2 1 : 2  K C  Oktave 
3 2 : 3  K G  Quint
4 2 : 4 = 1 : 2  Oktave 
5 4 : 5  Terz
6 4: 6 = 2 : 3  Quint 
7 4 : 7  Kl. Septime 
8 4 : 8 = 1 : 2  Oktave 
9 8 : 9  Sekunde
10 8 : 10 = 4 : 5  Terz 
11 8 : 11  Hochl Quart 
12 8 : 12 = 2 : 3  Quinte 

(SK = Subkontra, K = Kontra; die Farbgebung ist erst später von Bedeutung;
zwischen 3 und 4 liegt die reine Quarte, zwischen 3 und 5 die gr. Sexte)
 

Grafik19

Die Obertöne werden nach oben hin immer schwächer, da sie nicht so stark erregt werden. Durch dieses schwächer werden hört das menschliche Ohr keine einzelnen Töne sondern nur einen Klang der Grundfrequenz mit einer bestimmten Klangfarbe. Diese Klangfarbe ist ausschließlich von der Anzahl und der Amplitude der Obertöne abhängig. So hat eine Pfeife mit sehr vielen und lauten Obertönen einen scharfen bis streichenden Klang, eine Pfeife mit sehr wenigen und leisen dagegen einen weichen, flötigen Klang.

Grafik17
          a)                      b)

In einer Orgel gibt es aber nicht nur beidseitig offene Pfeifen sondern auch solche, die am oberen Ende verschlossen sind, sog. "Gedackte". In ihnen muss also am oberen Ende ein Knoten sein, da sich Teilchen dort nicht bewegen können. Am unteren Ende bleibt natürlich ein Bauch (a). Die Pfeifenlänge beträgt folglich nur 1/4 der Grundtonfrequenz, weshalb gedackte Pfeifen auch bloß die Hälfte der Rohrlänge einer offenen Pfeife benötigen. Bei den Obertönen kann, um wiederum die Gegebenheiten an beiden Enden zu wahren, nur immer "eine Halbe Welle, also 2 Viertelwellen, hinzukommen" (b). In einer Pfeife befinden sich also 1 + 2*k Viertelwellen, woraus das Frequenzverhältnis fObert : fGT = (1 + 2*k) : 1 folgt. In einer gedackten Pfeife werden also nur ungeradzahlige Obertöne ausgebildet, da 1 + 2*k für k E N nur ungerade Zahlen liefert.
 

2. 1. 2 Die reine Stimmung


Für einen Orgelbauer stellt sich die Frage, welche Frequenz der Grundton einer bestimmten Pfeife haben soll. Diese scheinbar einfache Frage bringt Probleme, die die Menschheit auf der Suche nach geeigneten Tonleitern seit Jahrhunderten beschäftigen.
Die erste Stimmung (Temperierung), die entwickelt wurde war die sogenannte "Reine Stimmung". Die Frequenzverhälnisse in der reinen Tonleiter wurden aus den Frequenzverhältnissen der Obertöne eines natürlichen Klanges abgeleitet (vgl. Tabelle Seite vorher, blau gekennzeichnete Intervalle). Diese Stimmung klingt folglich sehr rein.

Somit ergibt sich:
 

Intervall  Sekund  Terz  Quart  Quint  Sext  grSeptim  Oktav 
Töne  c-d 

(c-d) 

c-e 

(c-e) 

c-f 

(g-e) 

c-g 

(c-g) 

c-a 

(g-e) 

c-h 

(c-h) 

c-c' 

(C-c) 

Verhältn.  8 : 9  4 : 5  3 : 4  2 : 3  3 : 5  8 : 15  1 : 2 

(Die erste Zeile der Töne gibt die Intervalle in Bezug auf den Ton c an, die Töne in Klammern stammen aus der Obertonreihe)




Diese Stimmung hat einen entscheidenden Nachteil: In ihr haben nicht alle Intervalle das gleiche Frequenzverhältnis:

Bsp.: Die (große) Sekunde c-d hat das Frequenzverhältnis 8 : 9. Die nächste (große) Sekunde liegt auf d-e. Da nun c-e das Verhältnis 4 : 5 hat, ergibt sich für d-e 9 : 10!

Dies hat zur Folge, dass diese Stimmung zwar in C-Dur sehr rein klingt, entfernt man sich aber immer weiter von C-Dur klingt diese Stimmung immer unreiner.

Aus obigem Bsp.: Der "Anfangston" der D-Dur Tonleiter ist das D. Somit ist die erste Sekunde d-e in der D-Dur Tonleiter mit 9 : 10 kleiner als die erste Sekunde der C-Dur Tonleiter mit 8 : 9. Dieser Fehler zieht sich nun auf gleiche Weise durch das ganze Tonsystem und verstärkt sich immer mehr je weiter man sich von C-Dur entfernt.

Das größte Problem liegt allerdings darin, dass diese Temperierung in sich nicht vollkommen ist: Zwölf reine Quinten übereinander müssten aus musikalischer Sicht den gleichen Ton ergeben wie sieben Oktaven.
 
 

SK C  SK G  K D  K A  fis  cis'  gis'  dis''  b''  f'''  c'''' 
SK C  K C  c'  c''  c'''  c'''' 

(1. Zeile: Quinten, 2. Zeile: Oktaven; SK=Subkontra; K=Kontra)




Rechnerisch ergibt sich jedoch:

SK C: f = 33 Hz

=> c'''':  f= (2/1)^7 * 33 Hz = 4224 Hz       (Mit sieben Oktaven)
             f= (3/2)^12 * 33 Hz = 4281 Hz     (Mit zwölf Quinten)

Dieser Unterschied von ca. 73 : 74 wird als pythagoreisches Komma bezeichnet.

Ein anderes Beispiel für die Unvollkommenheit der Reinen Stimmung wird auf ähnliche Weise nachgewiesen: 4 Quinten ergeben wiederum musikalisch betrachtet den gleichen Ton wie 2 Oktaven und eine große Terz.
 

e' 
c'  e' 

(1. Zeile: 4 Quinten, 2. Zeile: 2 Oktaven und eine Terz)

Hier ergibt sich rechnerisch:

C: f = 132 Hz

=> e': f = (3/2)^4 * 33 Hz = 167 Hz              (Mit vier Quinten)
          f= (2/1)^2 * (5/4) * 33 Hz = 165 Hz   (Mit 2 Oktaven und einer großen Terz)

Der Unterschied beträgt hier 81 : 80, er wird als syntonisches Komma bezeichnet.

Diese Unvollkommenheit der reinen Stimmung bewirkt, dass sie nicht angewandt wer-den kann, da man für einen Ton mehrere Frequenzen zur Auswahl hat. Sobald man sich nun beim Stimmen einer Pfeife für nur eine Frequenz entscheidet, wird ein Intervall rein ges timmt, ein anderes dagegen unrein. Da die Gregorianischen Gesänge im Mittelalter hauptsächlich aus Quinten und Oktaven bestanden und einen Tonambitus (Tonumfang) von sieben Oktaven nicht einmal annäherungsweise erreichten, konnte damals noch rein musiziert werden. Bei der heutigen Instrumentenvielfalt ist dies jedoch nicht mehr mög-lich. Somit war eine neue Temperierung unumgänglich.
 

2. 1. 3 Die gleichschwebende Temperierung


Als Beispiel für eine "nichtreine" Temperierung sei hier nur die heute übliche "gleichschwebende Temperierung" genannt. In ihr werden die Quinten etwas enger gestimmt, wodurch das pythagoreische und das syntonische Komma ausgeglichen werden. Dieses Verengen der Quinten hat auch zur Folge, dass alle Sekunden das gleiche Verhältnis, nämlich haben. Dieses Verhältnis bezeichnet lediglich ein 12-Teilung der Oktave (1 : 2). Durch diese Veränderungen der Intervalle klingt diese Temperierung natürlich nicht ganz h armonisch. Wir alle haben uns aber mittlerweile schon an diese Unreinheit gewöhnt. In der Orgel ergeben sich aber durch diese Stim-mung "Schwebungen" (klingt tremoloähnlich, näheres siehe Schwebung) durch die der Gesamtorgelklang unruhig wird. Orgelbauer verwenden heute, um dies zu vermeiden eine etwas abgeänderte Stimmung, die allerdings mit der gleichschwebenden Temperierung nahezu lückenlos übereinstimmt. Der Name "gleichschwebend" bedeutet nicht, dass alle Intervalle die gleiche Schwebefrequenz haben. Er besagt vielmehr, dass im Ge-gensatz zu anderen Temperierungen alle Intervalle mit Ausnahme der Oktave, die immer rein gestimmt wird, schweben.
 

2. 1. 4 Cent-Einteilung


In der Entstehungszeit der gleichschwebenden Temperierung setzte sich auch die sog. Cent-Einteilung der Oktave durch. In ihr wird eine Oktave in 1200 Cent unterteilt, ein Halbton erhält somit 100 Cent. (Eine Oktave hat 12 Halbtöne) Die Cent-Einteilung hat den Vorteil, dass Frequenzunterschiede nicht mehr wie bisher in Verhältnissen angegeben werden müssen, sondern in Cent. Da die Centberechnung logarithmisch ist haben gleiche Intervalle in verschiedenen Höhen gleichen "Cent-Abstand".

Berechnung Frequenzverhältnisses x eines Cents:
 

Berechnung des "Cent-Abstands" für ein Frequenzverhältnis f1 : f2 ( => xn = f1 : f2 ):
 


Mit dieser Formel lassen sich leicht die Unterschiede zwischen Reiner Stimmung und Gleichschwebender Temperierung erkennen:
 


Rein  Gleichschwebend  Pythagoreische Terz 
Terz  386 Cent  400 Cent  408 
Quinte  702 Cent  700 Cent 
Oktave  1200 Cent  1200 Cent 

(Die Reine Terz klingt sehr weich, die gleischschwebende etwas härter, die pythagoreische scharf)

Das pythagoreische Komma hat übrigens 23,5 Cent, das syntonische Komma dagegen nur 21,5 Cent.
 

2. 1. 5 Festlegung des Kammertones a


Als Bezugspunkt für alle Töne wurde 1953 der Kammerton a mit 440 Hz bei 18 °C Lufttemperatur deklariert. Dabei ergibt sich jedoch ein kleines Problem:

Die Schallgeschwindigkeit beträgt bei 18 °C ca. 341 m/s, wenn aber im Winter in einer Kirche die Temperatur auf 0 °C fällt, sinkt auch die Schallgeschwindigkeit auf ca. 331 m/s und somit die Frequenz aller Labialpfeifen (Funktion siehe Pfeifen).

Wird im Winter eine Orgel nicht neu gestimmt, so wird der Fehler sehr groß:

da l gleichbleibt (Pfeifen werden nicht gestimmt): Für f0 ergibt sich dann im Winter eine Frequenz von 427 Hz! Dies entspricht einem Abstand von fast einem Halbton. Da die Frequenz der Lingualpfeifen kaum von der Schallgeschwindigkeit abhängig ist, sondern nur von einer schwingendem Metallzunge, wird der Gesamtklang einer Orgel mit Lingualpfeifen (kleinere Orgeln besitzen meist nur Labialpfeifen) untragbar.
 

2. 1. 6 Schwebung


Bisher wurde nur immer von einzelnen Tönen bzw. Klängen gesprochen. In der Orgel treten aber sehr viele verschiedene Töne/Klänge auf, die sich gegenseitig beeinflussen. Ein Beispiel für diese Beeinflussung ist die sog. Schwebung, die schon unter "Gleichsc hwebende Temperierung" erwähnt wurde.

Grundsätzlich versteht man unter Schwebung gegenseitige Verstärkung bzw. Schwächung zweier fast gleicher Frequenzen. Dieses Phänomen tritt auch mit stark unterschiedlichen Frequenzen auf, wird aber dann nicht mehr als Schwebung bezeichnet (näheres siehe Differenzton).

Grafik20

(Oben: Ton a 28 Hz; mitte: Ton b 30 Hz; unten: Schwebung;  Zeitintervall 1s)
 

Ton a hat die Frequenz 28 Hz, Ton b 30 Hz. Die Schwebung entsteht nun durch Addition der beiden Schwingungsamplituden. Bei t = 0s kommt es hier zu einer gegenseitigen Verstärkung der einzelnen Töne (in beiden Pfeifen schwingen die Luftteilchen parallel). Da nun die Amplitudenmaxima durch den Frequenzunterschied immer weiter gegeneinander verschoben werden, kommt es zu einer immer größer werdenden Schwächung der beiden Schwingungen, bis schließlich am Zeitpunkt t = 0,25s eine komplette gegenseitige Auslöschung stattfindet (die Luftteilchen schwingen entgegengesetzt). Durch eine weitere Verschiebung der Amplituden kommt es bei t = 0,5s zu einem weiterem Maximum. Ab diesem Zeitpunkt beginnt der gleiche Vorgang wieder von vorne. Es entsteht durch diese Faktoren bedingt also ein einzelner Ton, dessen Amplitude (Lautstärke) gleichmäßig mit einer Frequenz von fa - fb schwebt, in unserem Beispiel also mit 2 Hz. In der Orgel wird dieses Phänomen zur Gestaltung von Solostimmen über einem leiseren Hintergrund verwendet, die dadurch einen "schwebenden", gesanglichen Charakter bekommen.
 

2. 1. 7 Differenztöne


Wird der Frequenzunterschied zwischen den beiden Tönen erhöht, so erhöht sich auf Grund von fa - fb auch die Schwebefrequenz. Gelangt diese Schwebefrequenz nun in den hörbaren Bereich wird vom menschlichen Ohr ein dritter tieferer Ton wahrgenommen. Dieser tiefere Ton existiert aus physikalischer Sicht nicht als tatsächlich vorhandene Schwingung!

Erklärung:
Man hat ein sehr kurzes Geräusch, beispielsweise einen Knall. Wenn man nun diesen Knall sehr schnell hintereinander erzeugt, z. B. 440 mal pro Sekunde, so hört das menschliche Ohr einen Ton der Frequenz 440 Hz (vgl. Automotor, hier werden sehr viele Explosionen erzeugt wodurch ein Summen auf einem bestimmten Ton zu Stande kommt). Beim Differenzton hat man aber keinen Knall, sondern ein Maximum der Schwebungsamplitude, das mit einem festgelegtem Abstand zum nächsten Maximum erreicht wird. Ab ca. 16 Maximas pro Sekunde werden Differenztöne hörbar.
 
 

Grafik21(oben: 32 Hz; mitte: 48 Hz; unten: 16 Hz)

In der Orgel wird diese Gegebenheit ausgenützt um teuere und platzraubende Basspfeifen gegen einen sogenannten akustischen Bass zu ersetzen. Ein Ton der Frequenz 16 Hz benötigt z. B., bei offener Bauweise eine Länge von ca. 10,6 m. Verwendet man dagegen z wei Pfeifen mit den Frequenzen 32 Hz und 48 Hz erklingt ein Differenzton von 16 Hz. Da diese beiden Töne dem 2. und 3. Teilton (TT) einer 16 Hz Pfeife entsprechen, entsteht ein sehr harmonischer Gesamtklang (2. TT: 2*16 Hz = 32 Hz; 3. TT: 3*16 Hz = 48 Hz). Diese beiden Pfeifen haben eine gemeinsame Gesamtlänge von nur 5,3 m + 3,5 m also 8,8 m. Um weiteren Platz zu sparen könnte man Gedackte verwenden (Gedackte haben nur eine Länge von 1/4l), wodurch sich die Gesamtlänge auf 4,4 m verringern würde.

Im übrigen haben alle nebeneinanderliegenden Obertöne einer Pfeife die Eigenschaft durch Addition einen Differenzton mit der Frequenz des Grundtones zu erzeugen.

FGT ist Frequnz des Gundtones
n * fGT ist die Frequenz des n-ten Teiltones
(n+1) * fGT des über dem n-ten liegenden Teiltones
(n + 1) * fGT - n * fGT = fGT

Somit wird der Grundton immer als lautester Ton empfunden auch wenn ein Oberton physikalisch gesehen lauter ist.
Grafik22
Die schwarze Funktion ist die Addition der Teiltöne 1 bis 15. Hier lässt sich sehr gut der Impuls (vgl. Knall) erkennen, der den Differenzton ausmacht. Die farbigen Funktionen zeigen wiederum den Differenzton, also hier den Grundton.

Grafik38

2. 2 Labialpfeifen


Der eigentliche Sinn und Zweck einer Kirchenorgel ist die Klangerzeugung in den Pfeifen. Kleine Orgeln verfügen über 300 bis 1000 dieser Klangkörper, mittlere über mehrere Tausend. In der größten Kirchenorgel der Welt, der Passauer Domorgel, erklingen sagenhafte 17 388 Pfeifen. Diese gibt es in nahezu allen Größen und Formen, vom 3 mm langen Cimbel bis zum Kontraprinzipalbass (Größenvergleich rechts) mit knapp 11,3 m Länge, einem halben Meter Durchmesser und ca. 300 kg Gewicht.
 

2. 2. 1 Aufbau und Funktion


Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Typen von Pfeifen, die Labial- (Lippen-) und die Lingualpfeifen (Zungenpfeifen). Labialpfeifen machen den Hauptbestandteil des Pfeifenmaterials aus.

Grafik23Diese Pfeifen haben ein Funktionsprinzip, das mit dem einer Blockflöte vergleichbar ist. Der Wind (Luftstrom) gelangt dabei durch das Fußloch a in den Pfeifenfuß b. Der Pfeifenfuß hat als Zweck nur die Luftzufuhr zur Kernspalte c zwischen dem Unterlabium e und dem Kern d. Dort entsteht ein Luftband, das auf das Oberlabium f trifft, wo es in Pendelschwingung gerät. Dieses Pendeln bewirkt, dass Luft abwechselnd in den Pfeifenkörper h, bzw. durch das Labium g nach aussen geblasen wird. Im Pfeifenkörper entsteht durch stoßweises Zuführen von Luft eine Stehende Welle in seiner Eigenfrequenz. Stehende Wellen können aber nur durch Überlagerung mit einer weiteren Schwingung gleicher Frequenz in entgegengesetzter Richtung entstehen. In einer Orgelpfeife geschieht dies durch Reflektion der bestehenden Welle an einem Luftkissen über der Pfeifenmündung k. Die Frequenz des Pfeifenkörpers ist nicht von der Frequenz des Luftbandes abhängig, da sich diese anpasst. Falls dieses Luftband sehr instabil ist, kann es durch sog. Kernstiche, das sind senkrechte Kerben an der Vorderkante des Kerns d, oder durch kleine Laschen an den beiden Seiten des Labiums g, sog. Bärten, stabilisiert werden.

Grafik24
(Pendeln des Luftbandes, rechts befindet sich jeweils der Pfeifenkörper)




2. 2. 2 Der Einschwingvorgang


Bei Beginn der Luftzufuhr kann sich auf Grund der Trägheit der Luftteilchen im Pfeifenkörper nicht sofort eine Schwingung ausbilden, diese Phase bezeichnet man als Einschwingvorgang. Eine Folge dessen ist, dass viele Pfeifen "spucken", dabei diesem Vorgang sehr viele Vorläufertöne am Labium und in der Röhre selbst entstehen, die zum späteren Klang unharmonisch sind. Gerade diese Vorläufertöne charakterisieren jedoch den Gesamtklang eines Instruments. Das geht so weit, dass z. B. die Klänge einer Flöte und einer Geige ohne Einschwingvorgang von einem Laien nicht unterschieden werden können.
 

2. 2. 3 Fußtonzahl/Mündungseinfluss


Wie schon erwähnt wurde gibt es in einer Orgel Register unterschiedlicher Tonlage. Um dem Organisten mitzuteilen welches Register in welcher Tonlage erklingt, entwickelte man das sogenannte Fußtonzahlsystem. Es gibt an, welche Länge der tiefste Ton eines Registers in offener Bauweise hat. Ein in normaler Tonhöhe erklingendes Register hat somit 8´ (Kontra-C = 8 Fuß). Das eine Oktave höher gelegene Register hat nur die Hälfte dieser Länge, also 4´. Bei Gedackten, welche nur die halbe Länge benötigen, wird allerdings nicht die tatsächliche Länge angegeben, da dies zu Verwirrungen führen würde. Man gibt als Fußtonzahl nur die Länge an, die eine offene Pfeife gleicher Tonhöhe hätte. Die tiefsten Register im Pedal erreichen eine Länge von bis zu 32´. Aus Kostengründen werden derartige Register aber meist nur gedackt gebaut (sie erreichen bis zu 16 Hz und können nicht mehr von allen Menschen als Ton wahrgenommen werden).

Die Entstehungsweise der Stehenden Welle durch das Luftpolster an der Pfeifenmündung bewirkt allerdings, dass die Länge einer offenen Pfeife nicht genau die Hälfte der Gesamtwellenlänge l beträgt und auch nicht der Fußtonzahl entspricht. Die tatsächliche Pfeifenlänge ist etwas kürzer, da das Luftpolster die Pfeife nicht plan abschließen kann. Die Stehende Welle "wölbt sich also über das Pfeifenende hinaus", wodurch sie länger als der Pfeifenkörper wird. Bei engen Pfeifen (kleiner Durchmesser) ist dieser "Mündungseinfluss" weniger ausgeprägt als bei weiten, da sich an einer kleinen Pfeifenmündung weniger Teilchen nach aussen bewegen und somit sehr schnell abgebremst werden. Die Länge l einer Pfeife beträgt nach Cavaillè-Coll näherungsweise l = 1/2 * l - 5/3 * d.
 

2. 2. 4 Veränderungen und ihre Folgen


Die folgenden Veränderungen sind nicht mehr Aufgabe des Orgelbauers, sondern des Intonateurs, der die Pfeifen stimmt und deren Klang durch verschiedene Maßnahmen gezielt verändert bzw. verbessert.
 

- Stimmen

Grafik25Das Stimmen ist abgesehen vom Zeitaufwand im Gegensatz zu anderen Instrumenten sehr leicht. Offene Labialpfeifen besitzen eine Stimmrolle E oder einen Stimmring B der sich an der Pfeifenmündung befindet. Wird dieser Bauteil nach oben geschoben bzw. gebogen , so verlängert sich der Pfeifenkörper. Die Stehende Welle wird dadurch länger und der Ton schließlich tiefer. Gleiches gilt natürlich auch umgekehrt. Da diese Bauteile bei sehr kleinen Pfeifen schwierig herzustellen sind, verwendet man bei diesen zum Stimmen ein sog. Stimmhorn A zum ein- (D) bzw. ausreiben (C) der Pfeifenmündungen. Im Bsp. "einreiben" (D) werden die schwingenden Luftteilchen am Austritt aus dem Pfeifenrohr gehindert, wodurch die Stehende Welle verkürzt und der Ton erhöht wird (vgl. Mündungseinfluss). In C wird der Austritt begünstigt; das führt zu einer Vertiefung des Tones. Bei Gedackten wird einfach der "Hut", der die Mündung verdeckt, verschoben.

- Pfeifenmaterial


Bisher war nur von innerpfeiflichen Obertönen die Rede. Das sind Obertöne die in der Pfeife selbst entstehen und zueinander harmonisch sind. Da aber auch die Wandung einer Pfeife durch die Stehende Welle in ihr in Schwingung versetzt wird, bilden sich dort zum Grundton unharmonische Teiltöne. Bei Materialien mit schlechter innerer Dämpfung bilden sich derer sehr viele, wodurch der Klang rauh wird. Die besten Eigenschaften für einen weichen ausgeglichen Klang hat Zinn, welches jedoch sehr teuer ist. Ein weiterer entscheidender Nachteil des Zinns liegt auch darin, dass sich unter bestimmten Umständen die kristaline Struktur verändern kann bis schließlich die Pfeifen in sich zusamenfallen. Mittlerweile hat sich, sozusagen als Kompromiss zwischen Stabilität, Preis und Klang, eine Legierung aus Zinn und Zink, das sog. "Orgelmetall", durchgesetzt. Manchmal werden auch Kupferpfeifen zur optischen Gestaltung des Prospekts (sichtbare Pfeifen) verwendet. Deren Klang ist allerdings nicht überwältigend. Neben Metallen verwendet man auch andere Materialen zum Pfeifenbau, wie z. B. Holz ("Flöten" und "Klarinetten"), welches einen milden und weichen Klang erzeugt. In seltenen Fällen werden Pfeifen sogar aus Karton hergestellt.
 

- Pfeifenweite


Grafik26(oben: enge Pfeife; unten: weite Pfeife)

Je weiter eine Pfeife ist desto weniger Obertöne hat ihr Klang. Der Grund dafür ist die Tatsache, dass Obertöne mit zunehmender Höhe leiser werden. In einer weiten Pfeife bewirkt der Lautstärkenunterschied, dass der Mündungseinfluss auf die höher gelegenen Teiltöne geringer ist als auf die tiefer gelegen, bzw. auf den Grundton, da leise Töne eine geringere Schwingungsamplitude haben als laute. Die Teilchen an der Pfeifenmündung schwingen also bei einem leisen Ton nicht so weit in den Raum über der Pfeife hinaus. Dies bewirkt, dass die Stehende Welle eines leisen Tones weniger weit aus dem Pfeifenkörper ragt als die eines lauten. Der Ton wird dadurch weniger stark vertieft (vgl. Klangspektrum "Weite Pfeife"). Wenn die weite Pfeife, bzw. der Grundton (1. TT) dieser, auf die richtige Tonhöhe gestimmt wird, werden auch die Obertöne nach oben geschoben. Sie liegen in Folge dessen etwas über der mathematisch berechneten Frequenz. Dieser "Fehler" wird auf Grund der beschriebenen Gegebenheiten nach oben immer stärk er, wodurch die höheren Teiltöne nicht mehr so gut angeregt werden. Sie werden deshalb immer leiser, bis sie schließlich nicht mehr vorhanden sind. In einer engen Pfeife wird der Grundton als lautester Ton nicht so stark vertieft, da der Mündungseinfluss nicht so groß ist. Alle Teiltonfrequenzen liegen hierbei sehr nahe an der mathematisch berechneten Frequenz. Aus den genannten Gründen erhalten Pfeifen unterschiedliche Klangeigenschaften:
 
 

eng 

(viele Obertöne) 

mittelweit  weit 

(wenige Obertöne) 

offen  scharf, streichend 

(Salizional) 

markig 

(Prinzipal) 

weich, flötig 

(Nachthorn) 

gedackt  Quinte sehr laut 

(sie ist 1. ungeradzahliger Teilton!) 

hohl, dick 

- Labiumhöhe und Winddruck


Mit der Eigenschaft der Obertöne haben auch Labiumhöhe ( "Loch" im vorderen Bereich der Pfeife) und Winddruck zu tun. Je schneller der Wind am Oberlabium (Oberkante des Labiums) vorbeistreicht, desto stärker wird der Pfeifenkörper zum Schwingen angeregt. Zur Beschleunigung des Windes am Oberlabium tragen zwei Faktoren bei: zum einen der Winddruck selbst, zum anderen auch die Labiumhöhe, da der Wind auf dem Weg von der Kernspalte zum Oberlabium durch Reibung abgebremst wird. Bei starker Erregung der Luftsäule können auch die etwas höher gelegenen Obertöne mittelweiter Pfeifen (vgl. Pfeifenweite) wieder zum Klingen gebracht werden. Bei weiten Pfeifen ist dies nur noch sehr bedingt möglich, da die Obertöne in ihnen schon sehr hoch liegen.

Für den Klang einer mittelweiten Pfeife bedeutet dies:
 

niedriger Aufschnitt 

hoher Druck 

(viele Obertöne) 

hoher Aufschnitt 

niedriger Druck 

(wenige Obertöne) 

Klang  laut, scharf, streichend  leise, mild, 

bei engen Pfeifen stumpf 

- Pfeifenform

Grafik27(oben: Gemshorn; unten: Rohrgedackt)

Eine wichtige Rolle unter den Klanggestaltungsfaktoren spielt auch die Pfeifenform. Der Klangkörper setzt sich aus zylindrischen, konischen oder trichterförmigen Teilen zusammen. Die genauen Maße und ihre Wirkung auf das Klangbild kennt der Orgelbauer aus Erfahrung.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

offen  gedackt 
Zylindrisch  Alle TT gleichmäßig 

(Flöten, Prinzipale, Streicher) 

Nur ungerade TT 

(Gedackt, Pommer) 

Konisch (oben eng)  Harmonische und unharmonische TT 

(Gemshorn, s. Bild oben) 

Alle TT, aber geradzahlige leiser 

(Spitzgedackt) 

Trichterförmig  Harmonische und unharmonische TT 

(Dolkan) 

Verstärkung einzelner TT 

(Sextade) 

Zyl.- Konisch (mitte weit)  Hervorhebung einzelner TT 

(Koppelflöte) 

halbgedackt oder rohrgedackt  Ungeradzahlige TT und unharmonische TT aus Rohr 

(Rohrgedackt, s. Bild oben) 


 

Grafik39Das Verhältnis zwischen Pfeifenlänge, Pfeifenweite, Aufschnitthöhe usw. (Mensuren) bleibt durch den Tonraum eines Registers nicht konstant. Dies wird durch die Höranatomie des menschlichen Ohres verursacht, welches tiefe Töne nicht so laut wahrnimmt, wie sie physikalisch gesehen tatsächlich sind (Diagramm). Der Orgelklang wirkt dadurch für den Menschen sehr leer. Durch Verlaufsmensuren, welche allerdings wiederum auf Erfahrungswerten beruhen, versucht man diesen Fehler auszugleichen. Man lässt tiefe Pfeifen eines Registers lauter erklingen als hohe. Die Verlaufmensuren sind auch für die Beständigkeit der "Formanten" durch den gesamten Tonraum hindurch zuständig. Als Formant wird der Lautcharakter eines Registers bezeichnet. Hat z. B. eine Pfeife einen Klang, dessen Obertöne im Bereich zwischen 800 Hz und 1200 Hz besonders deutlich ausgeprägt ist, so klingt diese Pfeife ähnlich einem "a". Ohne die Verlaufsmensuren hätte eine Pfeife mit halber Länge und gleichen Längenverhältnissen diese Ausprägung im Bereich von 400 - 600 Hz, was nach "o" klingt. Der Gesamtorgelklang würde natürlich sehr leiden, wenn eine Melodie mit "o"-Lauten anfinge und mit steigender Tonhöhe immer mehr nach "a" klänge!
 
 
 
 
 

2. 2. 5 Aliquote und Gemischte Stimmen

Grafik28Welchen Zweck hat ein 4´- oder 2´-Register überhaupt? Obwohl die Orgelmanuale sehr kurz sind, braucht man oft auch sehr hohe Töne. Dies ist allerdings nicht der Hauptgrund für die Existenz von Registern unterschiedlicher Tonhöhe. Der wichtigste Grund ist, dass diese Register es dem Organisten ermöglichen, selbst die Klangfarbe und die Lautstärke der Orgel zu regulieren. Beim Zuschalten einer Waldflöte 2´ (2 Oktaven höher als 8´) zu einem Gedackt 8´ entsteht durch Vermelzen der beiden Klänge dieser Pfeifen ein Klang der sehr hell und leuchtend wirkt, da er sehr viel obertonreicher ist als der eines 8´-Registers alleine. Wenn zu diesen beiden Registern noch ein Nachthorn 4´ und geschaltet wird, so wird der Klang sehr voll. Die genannten Register können sehr gut miteinander verschmelzen, da die Obertöne des 4´ und des 2´ mit denen des 8´ in der Frequenz komplett übereinstimmen. Als Aliquote werden aber erst Register bezeichnet, die nicht mehr nur in der Oktave zum Grundton erklingen, sondern in Quinten (3./6. TT) oder auch Terzen (5. TT) oder Septimen (7. TT), ... Die Teiltöne der Aliquoten sind immer in der Obertonreihe des Registers enthalten, zu dem sie geschaltet werden! Die Fußtonzahl eines Aliquoten lässt sich sehr leicht mit den Längenverhältnissen der Pfeifen berechnen: Aliquote die den 3. TT, also die Quinte, spielen haben 1/3 der Länge (3-fache Frequenz) der Grundtonpfeife als 8´ * 1/3 = 2 2/3´. Der 5. TT, die Terz hätte somit 1 3/5´. Alle Register - einschließlich der Aliquoten - werden in sich gleichschwebend gestimmt. Im Gegensatz dazu stimmt man komplette Register zueinander rein (vgl. Temperaturen). Sie würden sonst nicht miteinander verschmelzen, sondern als Dissonanz (Missklang) aus dem Gesamtorgelklang herausstechen.

Register deren Obertöne nicht mit denen des Grundtones übereinstimmen erzeugen durch "Überblasen" sogenannte Reizklänge. Beim "Überblasen" kann sich der Grundton wegen zu hohem Winddruck in einer Pfeife nicht ausbilden. Dadurch wird der 2. Teilton für das menschliche Gehör als "Grundton" wahrgenommen, auf den diese Pfeife dann auch gestimmt wird. Der nächste Teilton ist aber in diesem Fall nicht die Oktave über dem 2. Teilton, sondern die Quinte (vgl. Obertonreihe), also der 3. TT zum weggefallenen Grundto n. Das sofortige Überblasen kann erleichtert werden indem man knapp über (Mündungseinfluss!) der Mitte des Pfeifenkörpers ein kleines Loch in die Pfeifenwandung bohrt. Dieses bewirkt, dass sich an dieser Stelle ein Schwingungsbauch leichter ausbilden kann. Der Reizklang wird besonders deutlich wenn ein Gedacktes Register überblasen wird, da die Pfeife dann sofort in den 3. TT schlägt (nur ungeradzahlige Teiltöne!). Dabei wird die Quinte zum Grundton, die nächsten Obertöne sind dann eine Sexte und ein Tri tonus (!). Wird eine solche Pfeife zusammen mit einer normalen Pfeife verwendet, so sieht der Teiltonaufbau folgendermaßen aus:
 
 

c c g c
f f c f a c es f g a b c

In der ersten Zeile befinden sich die Obertöne der offenen Pfeife, die zweite zeigt die Obertöne der überblasenden, gedackten Pfeife. Die grau geschriebenen Töne erklingen nicht, da sie geradzahlig sind, bzw. durch Überblasen wegfallen. Man sieht hierbei sehr deutlich welche Töne zur normalen Obertonreihe hinzukommen. Es handelt sich hierbei um Töne (es und b) die in der normalen Obertonreihe einer Pfeife erst in der 4. Oktave vorkommen, wo man sie wegen ihrer geringen Lautstärke nicht mehr hören, ja sogar nicht mehr messen kann!

Schließlich gibt es noch die Gemischten Stimmen. Das sind Register bei denen mehrere Pfeifen zugleich ertönen. Die Zusammenfassung in ein Register ist kostengünstiger, da für sie nur eine Registertraktur benötigt wird. In solchen Gemischten Stimmen kommen auch sehr kleine Pfeifen vor (bis zu 1/4´, Fußtonzahl gibt längste Pfeife an!). Sie müssen repitierend gebaut werden um nicht aus dem Hörbereich des Menschen zu gelangen. Repitierend bedeutet, dass die höchsten Töne im Verlauf der Tonleiter immer wieder tiefer gestimmt werden, als sie tatsächlich sein sollten. Das bedeutet: wenn der 1/4´ im Bereich C-H (erste Zeile) mit steigender Tonhöhe zu hoch wird, so ersetzt man ihn im nächsthöheren Bereich c-h durch einen 2 2/3´, der tiefer klingt. Dies geschieht auf gleiche Weise auch mit den anderen Pfeifen.
 
 

C-H  1/2´  1/3´  1/4´ 
c-h  2 2/3´  1/2´  1/3´ 
c'-a'  1´  2 2/3´  1/2´ 
g'-h'  1 1/3´  1´  2 2/3´ 
c''-a''  2´  1 1/3´  1´ 
g''-h''  2 2/3´  2´  1 1/3´ 
c'''-a'''  4´  2 2/3´  2´ 

(Repititionsschema des Cimbels 1/2´; als Fußtonzahl für ein derartiges gemischtes Register wird der tiefste Ton auf C angegeben)




Grafik29
 |     |   (kürzeste Pfeife des Cimbels 1/2´; Originalgröße ca. 15 cm.  Der gekennzeichnete Bereich ist der 6mm lange Pfeifenkörper, der Rest ist Pfeifenfuß)
 

2. 3 Lingualpfeifen


2. 3. 1 Aufbau und Funktion


Grafik30In größeren Orgeln gibt es auch sog. Lingual- oder Zungenpfeifen, deren Aufbau sich grundlegend von den bereits beschriebenen Labialpfeifen unterscheidet. Der Wind strömt zwar bei diesen wiederum durch das Fußloch a in die Pfeife, gelangt aber zu erst in eine Art Vorraum, den Stiefel b. In diesen Stiefel ragt von oben die Kehle c, die an einer Seite offen ist. Über diesem Loch befindet sich ein schmales Metallblatt, die Zunge d, welche durch ihre leichte Krümmung (Aufwurf) an der Unterkante eine schmale Spalte lässt. Wenn der Wind nun durch diese Spalte in die Kehle und schließlich in den Schalltrichter f strömt, wird die Zunge auf das Loch gedrückt, wodurch dieses verschlossen wird. Da nun kein Wind mehr strömt, der die Zunge an die Kehle drückt und der Druck im Inneren des Stiefels nicht ausreicht um die Zunge in dieser Position zu halten, schwingt diese wieder in ihre Ausgangsstellung zurück, so dass der Spalt wieder geöffnet wird. Danach beginnt der beschriebene Vorgang wieder von vorne. Auf Grund dieses Öffnens und Schließens des Spaltes wird der Luftstrom pulsiert. Die Frequenz in der die Pfeife klingt ist gleich der Frequenz der Zunge und ist im Gegensatz zur Labialpfeife großteils nicht abhängig von der Schalltrichterlänge. Bei dieser Pfeife handelt es sich also um eine erzwungene Resonanz, da der Schalltrichter nicht in seiner Eigenfrequenz schwingt, sondern in einer erzwungenen Frequenz. Der Schalltrichter dient bei diesem Pfeifentyp nur als Obertonregler. Diese Pfeifen werden wegen ihres lauten und scharfen Klangs meist nicht einzeln verwendet, sondern als Stütze für die Labialstimmen um einen großen und imposanten Klang zu erzeugen.
 
 
 
 
 

2. 3. 2 Veränderungen und ihre Folgen


- Stimmen


Da es sich um eine erzwungene Schwingung handelt ist es nicht möglich durch Schalltrichterveränderungen die Tonhöhe zu ändern. Lingualpfeifen werden durch Veränderungen an der Zunge, von der ja die Frequenz abhängig ist, gestimmt. Dazu wird in Lingualp feifen die sog. Stimmkrücke (Bild auf voriger Seite: g) eingebaut, die die Zunge am oberen Ende mit starkem Druck an die Kehle presst. Diese Stimmkrücke kann durch einen nach aussen reichenden Draht auf- und abgeschoben werden, wodurch die Länge des schwingenden Teil der Zunge reguliert werden kann und somit auch deren Frequenz.
 

- Schalltrichterform und -länge


Nun ist es natürlich interessant welche Einflüsse die Schalltrichterlänge hat, wenn sie schon keine Wirkung auf die Tonhöhe hat. Grundsätzlich gilt, dass sich Lingualpfeifen mit einer Schalltrichterlänge von 1/4 l (Resonanzfall!) wie umgedrehte Gedackte Labialpfeifen verhalten, da sie unten durch die Nuss (Bild auf voriger Seite: e) verschlossen und oben offen sind. So werden in zylindrischen Zungenregistern nur die ungeradzahligen Teiltöne ausgebildet, in trichterförmigen dagegen auch die geradzahligen (vgl. Spitzgedackt). Den größten Einfluss hat allerdings die Länge des Schalltrichters. Ist der Becher sehr kurz (Regal), so wird der Klang sehr obertonreich (23 Teiltöne wurden schon nachgewiesen!), ist er dagegen sehr lang wird der Grundton sehr laut. Zu beachten ist, dass die Länge dieser Pfeifen sehr unterschiedlich sein kann. So hat das Regal vielleicht 1/4 der Normallänge eines Gedackten, eine Trompete hat dafür die dreifache Normallänge, bei gleicher Tonhöhe. Die Verlaufsmensuren sind wiederum Erfahrungswerte, wobei zu beachten ist, dass das Regal durch den ganzen Tonraum, die gleiche Schalltrichterlänge hat.
 

- Kehlen- und Zungenform

Grafik42(Verschieden Bauweisen von Linualpfeifen)

Bei den Zungenpfeifen gibt es sehr viele Variationsmöglichkeiten (Bild). Zwei verschiedene Bauweisen des Klangerregers (Kehle und Zunge) sind die durchschlagende und die aufschlagende Zunge. Bei ersterer ist die Zunge etwas kleiner als die Öffnung der Kehle. Weil die Luftzufuhr hierbei nicht abrupt gestoppt wird, sondern sozusagen immer ein Maximum erreicht, wenn die Zunge nach aussen schwingt und ein Minimum wenn sie sich in der Kehle befindet, hat diese Pfeife einen weicheren Klang. Im zweiten Fall schlägt die Zunge, wie der Name schon sagt, auf die Kehle auf. Der Klang wird deshalb sehr hart, spricht dafür aber schnell an. Um einen Klang zu erzeugen der weich ist, sich aber trotzdem schnell aufbaut, wird die Kehle manchmal mit Leder bedeckt, um den Aufschlag der Zunge etwas zu dämpfen.
 
 

2. 3. 4 Spanische Trompeten

Grafik31(Ausschnitt aus der Leipziger Gewandhausorgel)

Zum Abschluss meiner Arbeit möchte ich als architektonischen Leckerbissen in grossen Orgeln die spanischen Trompeten vorstellen, die mich persönlich immer besonders faszinieren. Dies sind Trompeten, die waagerecht aus dem Prospekt in den Raum ragen. Die spanischen Trompeten sind vor allem für Solos geeignet, da ihr Klang kaum mit dem Gesamtorgelklang verschmilzt.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 



 

Bibliographie:


[1] Adelung, W.; Einführung in den Orgelbau; Leipzig; Breitkopf & Härtel; 19912
[2] Hammer, Knauth, Kühel; Physik - Mechanik Additum Akustik; München; Oldenburg Verlag; 1987
[3] Helm, J.; Musik- und Harmonielehre; Gütersloh; Bertelsmann; 1910
[4] Dachs-Söhner; Harmonielehre; München; Kösel-Verlag; 19513
[5] Battke, M.; Erziehung des Tonsinnes; Berlin-Gr. Lichterfelde; o. J. 2. Auflage
[6] Eisenbarth, W.; Die Passauer Domorgel; München/Zürich; Verlag Schnell & Seiner; 1981
[7] Lieberwirth, S.; Die Gewandhausorgeln; Leipzig/Dresden; Edition Peters; 1986
 

Bildquellen:


Hintergrundbild Internet (Adresse unbekannt)
Hauptspieltisch Passauer Domorgel (6)
Registerschalter/Frei Kombination (RB A)
Mechanische Traktur (RB N)
Schleifenlade mit mechanischer Traktur (1)
Windlade innen mit Tonventilen (RB N)
Pfeifen des II. Manual (RB N)
Koppelmechanismus (RB)
Elektromagneten der elektrischen Traktur (RB A)
Transversal-, Longitudinalwelle (RB)
Obertöne einer offenen Pfeife (RB)
Obertonreihe Notenbild (RB)
Obertonreihe einer gedackter Pfeife (RB)
Schwingungsdiagramme (RB)
Kontraprinzipalbass Größenvergleich (7)
Labialpfeife (1)
Pendeln des Luftbandes Internet (Adresse unbek.)
Stimmen von Labialpfeifen (1)
Klangspektrum: weite Pfeife (RB)
Gemshorn, Rohrgedackt (RB N)
Diagramm zur Höranatomie des Menschen (1)
Klangspektrum: Klangverschmelzung (1)
Cimbel (RB N)
Lingualpfeife (1)
Verschiedene Bauweisen von Lingualpfeifen (1)
Spanische Trompeten (7)

(Ziffern siehe Bibliographie; RB = Rudi Bürgermeister; N = Kirchenorgel Nammering; A = Kirchenorgel Aicha v. Wald)