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Die Rockgruppe Depeche Mode bestaetigt ihren Rang und ihre Standhaftigkeit
Tour-Veranstalter Marek Lieberberg liess Milde walten. Satte 35 Minuten raeumte der Herr der Konzerte einem Trio names "Purity" ein, um sich im Vorprogramm von Depeche Mode zu einer oft gestellten Frage zu aeussern: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Techno und Koerperverletzung? So gesehen war es eine eindrucksvolle Demonstration, die allerdings nur von einer Minderheit der 15000 Besucher in der Koelnarena gewuerdigt wurde. Danach gaben sich die Roadies alle Muehe, die Rueckstaende dieser seltsamen Vorgruppe von der Buehne zu tilgen - dabei wurde sogar mit einem Schrubber feucht aufgewischt. Um 21 Uhr war es dann soweit: Mit "Question of time" begannen Depeche Mode ihren Auftritt - es wurde eine Retrospektive mit Hit-Garantie, von "Stripped" ueber "Policy of Truth" bis "Barrel of a Gun". Je spaeter der Abend, desto weiter die Rueckblende. Mit einem ihrer fruehesten Hits ("Just can't get enough") verabschiedeten sich Depeche Mode kurz vor elf. Danach war Schluss - auch das ruehrende "Germany needs you"-Transparent, das Fans auf dem Unterrang entrollt hatten, konnte die Band nicht umstimmen. Als Depeche Mode 1980 die Szene betraten, wurden die Musiker von den Kritikern als blutarme Milchbubis geschmaeht und der "New Romantic"-Welle zugerechnet - damit ging die Prognose einher, dass diese Welle alsbald abebben wuerde. Waehrend die meisten Kollegen von damals - Spandau Ballet, Visage und Duran Duran - laengst das Zeitliche gesegnet haben, haben Depeche Mode immer noch Oberwasser. Ihre Melange aus obsessiver, aufgewuehlter Teenieromantik und karger, eisgekuehlter Maschinenmusik hat sich laengst zu einem Markenzeichen entwickelt - und lockt mittlerweile ueberwiegend ein Publikum jenseits der 25 an. Saenger David Gahan hat dem Synthie-Pop der Band aus Basildon zudem eine unverwechselbare Stimme gegeben; mit dem theatralischen Timbre eines Heldentenors, der die ganz hohen Toene nicht mehr schafft. "Ich verstehe mich heute als Soul-Saenger, ich versuche mein Innerstes nach aussen zu kehren", sagte Gahan in einem Interview zur Tour. Das sind Statements, die die Neugierde des Publikums anheizen, zumal Gahan vor zweieinhalb Jahren, nach einer Heroin-Ueberdosis, schon einmal einvernehmlich im Rock-'n'-Roll-Himmel angeklopft hatte. Anno '98 sieht Gahan - ohne Ziegenbart und mit gestutzten Haaren - nun wieder sehr gesund aus und seine akrobatischen Verrenkungen mit dem Mikrofonstaender sind immer noch das belebendste Element in einer ansonsten reichlich statischen Show. "Songs of Faith and Devotion" heisst ein Album von Depeche Mode, und wer die entfesselten Reaktionen des Publikums in der Koelnarena sieht, erkennt den tieferen Sinn dieses Titels. "Glaube" und "Hingabe" sind durchaus Begriffe, die die Haltung vieler DM-Fans treffend bezeichnen. Allerdings sind Depeche Mode - auch das weiss das Publikum seit Jahren - weit davon entfernt, diese Zuneigung mit vollen Haenden zurueckzugeben. Der Grundton der Koelner Konzerte: kuehl-kontrolliert. Das galt auch fuer die unaufgeregte Lightshow - die Buehne war zumeist monochrom in Rotlicht getaucht. Selbst die beiden gospelnden Chordamen in den glamouroesen Kleidchen gingen mit gebremstem Temperament zur Sache. Sind Depeche Mode nun - trotz aller Ovationen des Publikums - eine unheilbar depressive Band? Gitarrist und Songschreiber Martin Gore widerspricht: "Die meisten Popsongs reflektieren das Leben nicht, wie es ist. Du kannst nicht ununterbrochen gut drauf sein." Mit dieser gesunden Einstellung werden Gore, Gahan und Andy Fletcher auch die naechsten 18 Jahre ueberstehen.